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Der Zusammenhang zwischen Psyche und Krebs

   

„Die Suche nach sich selbst, die Entdeckung des Lebens, das zu leben, was dem innersten Bedürfnis entspricht, kann eine der stärksten Waffen gegen die Krankheit sein“.      
Lawrence LeShan

Dass die Psyche einen entscheidenden Zusammenhang auf unser körperliches Wohlbefinden und auf die Entstehung von Krankheiten hat, ist inzwischen allgemein anerkannt. Die Psychosomatik und Psychologie hat sich damit viel beschäftigt , und der Zusammenhang zwischen seelischer Beeinträchtigung und Schwächung des Immunsystems ist bewiesen. Die Psychoimmunologie untersucht diese Zusammenhänge. 

Auch die Entstehung von Krebs wird mit psychischen Einflussfaktoren in Verbindung gebracht.

Im Konzept der TCM, der traditionellen chinesischen Medizin, haben wir davon gehört: es wird vom „verschlossenen Herz, Geist und Gefühlen“ gesprochen, die dann unseren Körper verschließen, den Energieaustausch verhindern, uns zunehmend dadurch vergiften und den Körper krank werden lassen. 

Bei der psychologischen Untersuchung  von Menschen mit Krebserkrankung sind ähnliche Persönlichkeitsmerkmale gefunden worden, die ich Ihnen im Folgenden vorstellen möchte.

Man könnte zu dem Schluss kommen, dass es „die“ Krebspersönlichkeit gibt, was ich allerdings auch sehr kritisch betrachten möchte.
Bei dem Studium solcher Untersuchungen bin ich eher traurig geworden, weil man auch den Eindruck bekommen kann, die Erkrankung sei die eigene Schuld; wäre man anders gewesen, z.B. aktiver, fröhlicher, egoistischer, hätte man keinen Krebs bekommen! 

Doch sicherlich werden Sie sich gleich in einigen Faktoren wieder erkennen und sich mit Ihnen auseinandersetzen, wenn Sie auf der Suche nach den Ursachen Ihrer Krebserkrankung sind.

Schon einige Zeit vor der Diagnose Krebs scheint es einen Verlust des Gefühls gegeben zu haben, dass „das Leben einen Sinn habe“.
Oft hat dieses Gefühl von Sinnlosigkeit mit dem Verlust einer Beziehung zu tun, einer schmerzhaften Trennung oder auch der zunehmenden Oberflächlichkeit von Beziehungen.
Man hat herausgefunden, dass es bereits einige Zeit vor der Diagnose eine schwere Krise im Leben des Betroffenen gegeben hat, die, oft unverarbeitet, zu Gefühlen von Sinnlosigkeit und Depression und zur langfristigen Schwächung des Immunsystems führt. Oberflächlich betrachtet, scheint man psychisch angemessen weiter zu funktionieren, aber im Grunde hat man keine Richtung und kein Ziel. 

Weiterhin gibt es ein Problem, Wut oder Ärger auszudrücken. Feindselige Gefühle werden unterdrückt. Nicht, dass sie nicht vorhanden wären! Oft gibt es sehr starke Aggressionen, aber eine Fassade milder Güte liegt darüber. Der Ausdruck aggressiver Gefühle ist verboten. Besonders auffällig scheint dies den eigenen Eltern gegenüber zu sein. 
Höflich, hilfsbereit und gütig, dieses Verhalten steht im Vordergrund.
Die eigene Meinung über sich selbst ist oft nicht so gut, man steht sich mit Abneigung und Misstrauen gegenüber, findet sich eher mittelmäßig.
Das Selbstwertgefühl ist nicht so stark; deswegen ist die Frage für einen Krebsbetroffenen von zentraler Bedeutung:
wie wichtig bin ich mir?
Liebe ich mich?
 
Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen kann zu einer Umkehr im Leben führen.

Weiterhin hat man herausgefunden, dass  diese beiden Faktoren, die Selbstentfremdung und die Unfähigkeit, zu seiner eigenen Verteidigung aggressiv zu sein, eng verbunden sind mit einem Erleben von Verzweiflung. Nicht verstanden als Verzweiflung als Reaktion auf die Krebserkrankung, sondern ein Grundgefühl, was es oft schon lange gab.
Verzweiflung bezogen auf die Hoffnungslosigkeit, einen tieferen Sinn im Leben zu finden, Beziehungen befriedigend zu leben, sich selbst wertvoll zu finden und tiefe Liebe zu erleben.
Diese Verzweiflung macht einsam, man hat das Gefühl, dieses eigentlich niemandem mitteilen zu können und je ändern zu können. Dieses Gefühl von Hoffnungslosigkeit ist ein zutiefst krankmachender Faktor, ähnlich dem Empfinden, sich in einem nicht stoppen wollendem "Hamsterrad" zu befinden.
Dieses Gefühl des Hamsterrades ähnelt dem Eindruck der ewigen Anstrengung, das viele Krebsbetroffenen berichten. Das Leben sei ständig anstrengend, als ob alles ein steiler Berg sei, ohne Ruhe und Erfolg.

Hierzu passt auch die Stresstheorie vom Eustress und Disstress. Eustress ist Stress, der zum Erfolg führt, auch Spaß macht, und Disstress ist Anstrengung ohne Erfolg.

Disstress macht krank, Eustress baut uns auf.

 Bei allen genannten Gefühlen und Persönlichkeitsmerkmalen wurde in den Untersuchungen deutlich, dass sie schon vorhanden waren, ehe Anzeichen von Krebs entdeckt wurden. Ungeachtet ihres Lebensgefühls hat man im täglichen Leben weiter funktioniert und in der Alltagsroutine weitergemacht, auch wenn man nicht wirklich daran glaubte, dass dieses Leben Befriedigung bringen würde. 

Ehe ich noch darauf eingehe, was wir bearbeiten müssen, um eine Umkehr zu erreichen,
Krebs als Chance nutzen für den Beginn eines neuen Lebens,

möchte ich noch kurz auf einen anderen Ansatz eingehen, Krebs aus psychologischer  Sicht zu erklären. 

Diese Gedanken, die von dem Wort „bösartig“ ausgehen, haben mich sehr beeindruckt.
Es wird beim Krebs von „bösartiger Erkrankung“ gesprochen.
Eigentlich ist “böse“ ja kein Wort aus der Medizin, sondern aus der Moral.
Welches „Böse“ auf symbolischer Ebene verschafft sich bei Krebs Raum?
Um eine Auseinandersetzung mit dem Bösen in uns kommen wir nicht herum, wenn wir uns mit unserem Krebs beschäftigen.

Wir haben alle Erfahrungen mit dem „bösen Kind“ in uns gemacht, dass geliebt werden wollte.
Das Kind will sich mit seinen Bedürfnissen durchsetzen, die jedoch oft unerwünscht sind. Es wird „erzogen“, soll sich an die Bedürfnisse der Großen anpassen und lernt, dass es böse ist, eigene Bedürfnisse zu haben und die auch  noch durchsetzen zu wollen. Wenn diese Entwicklung sich verstärkt, könnte das Kind vermeiden, überhaupt eigene Bedürfnisse zu spüren, damit es sich nicht mehr böse fühlt und geliebt wird.  Denn das Kind ist in seiner Hilflosigkeit abhängig von der Liebe der Eltern und passt sich an: „ das macht man nicht“, das fühlt man nicht“, das denkt man nicht“.

Wohin mit dem Bösen?

Wenn auffällt, dass Menschen, die an Krebs erkrankt sind, oft besonders tüchtige, gut funktionierende, hilfsbereite, gütige Menschen sind, fällt die Diskrepanz  zur Bösartigkeit der Krebserkrankung auf.
Hat die Bösartigkeit der Krankheit irgendetwas mit einer möglicherweise versteckten Bösartigkeit des Erkrankten zu tun?
Drückt der Körper das aus, was nicht gelebt wird?

Wenn  wir daran denken, dass die psychologischen Untersuchungen ergeben haben, dass  Wut und Ärger nicht ausreichend gelebt werden können, könnte das zutreffen.
Wenn man diesen Gedanken weiterdenkt, dann wäre Krebs eine Möglichkeit, „lieb“ zu bleiben und das Böse  in der Krankheit auszudrücken. Eine Problemlösung, die sich gegen sich selbst richtet !

Heilung ist möglich, wenn das Böse gesehen  und verstanden werden darf  und dann natürlich einen Platz im Leben bekommt. Eine Ermutigung, das böse Kind in sich zu entdecken und zu akzeptieren!

Dieser und weitere Schritte sind nötig, um zu einer Umkehr zu gelangen:

bulletSeine eigenen Bedürfnisse entdecken
bulletGrenzen gegenüber den Ansprüchen anderer setzen
bulletNein sagen lernen
bulletEinen Weg zur Selbstachtung und Selbstliebe finden
bulletZeit und Ruhe für sich nehmen
bulletSeinen eigenen Interessen und Wünschen nachgehen
bulletSich aus unbefriedigenden Beziehungen lösen
bulletSich Hilfe holen
bulletHoffnung 

„ Geh Du voran“, sagt die Seele zum Körper. „Auf mich hört sie nicht, vielleicht hört sie auf Dich“.
„ Ich werde krank werden, dann wird sie Zeit für Dich haben,“ sagte der Körper zur Seele. 

Januar 2004
Verena Lütge, Dipl. Psychologin – Qi-Net

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Stand: 09. August 2010

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